Pierre Kurth auf Unternehmensbesuch bei der „Dippefabrik“

14.09.2017

Pierre Kurth (FDP Birstein-Brachttal) auf Unternehmensbesuch bei der „Dippefabrik“

Im Rahmen seiner Wahlkreisbereisung besuchte Pierre Kurth, der Bundestagskandidat der FDP für den Wahlkreis 175 in Begleitung des Vorsitzenden des FDP-Ortsverbandes Jürgen Spielmann und Mitgliedern der FDP Hasselroth die Waechtersbacher Keramik in Brachttal. „Bei vielen Bürgern unserer Region ist das Unternehmen leider noch immer mit der Insolvenz aus 2011 verbunden“, so Kurth, „ich möchte mit meinem Besuch darauf aufmerksam machen, dass dies Vergangenheit ist, denn das Unternehmen und die Waechtersbacher Keramik leben, wie wir hier deutlich sehen können!“

Die Leiterin des Werksverkaufs, Silke Tiemann, führte die FDP-Gruppe durch die Verkaufsräume und den (Schau-)Produktionsbereich nebst umfangreichem Formenlager. „Wir können hier individuelle Anfertigungen auch in kleinen Mengen (unter 100 Stück) zu einem moderaten Preis produzieren“, erläuterte Frau Tiemann den liberalen Besucher. Zudem finden in der historischen Glasurhalle auch Konzerte statt. Diese Veranstaltungen werden vom Verein Industriekultur Steingut e.V. organisiert, der sich um den Erhalt des einmaligen Gebäudeensembles und die ganz eng mit der Fabrik verbundene Entwicklung der Region kümmert und erreichen möchte, dass dieses Wissen erhalten bleibt und weitergegeben wird.

Das im Volksmund auch liebevoll „Dippefabrik“ genannte Unternehmen wurde 1832 als Wächtersbacher Steingutfabrik vom Wächtersbacher Fürstenhaus (daher der Name) im heutigen Schlierbach gegründet, weil es dort ausreichende fürstliches Land gab und die Wasserkraft der Bracht für den Antrieb von Maschinen genutzt werden konnte. Zudem wurde in den Anfangsjahren auch die Tonminerale als Grundstoff für die Produktion von „weisser Alltagskeramik“ in der Region abgebaut. Neben den in der Landbevölkerung bekannten „Dippen“, also Gebrauchskeramik, entwickelte sich das Unternehmen insbesondere unter den Betriebsleitern Max Roesler und Christian Neureuther zu einem Vorreiter der Kunstkeramik, die das Unternehmen europaweit bekannt machte. Mit technisch aufwendigen Produktionsverfahren wurden de facto alle Adelshäuser und das wohlhabende Bürgertum in ganz Europa mit hochwertiger Dekorations- und Gebrauchskeramik belieferte. In ihrer Blütezeit beschäftigte das Unternehmen mehr als 800 Mitarbeiter und die Marke „Waechtersbach“ war weithin bekannt und verlegte die erste Fabrikzeitung im Deutsche Reich. Mit dem Bau der Vogelsberger Südbahn erhielt die Fabrik zudem eine eigene Güteranbindung an das deutsche Eisenbahnnetz.

Viele bekannte Künstler entwarfen Modelle und Kollektionen für das Unternehmen. Durch den enormen Erfolg und die wegweisenden Entwürfe konnte das Unternehmen Konkurrenten wie Villeroy&Boch weit hinter sich lassen. In den 1930er Jahren konnte die Waechtersbacher Keramik mit Ursula Fesca eine Künstlerin verpflichten, die sehr früh Bauhaus-Ideen umsetzte und Serien entwarf, die dem allgemeinen Zeitgeschmack sehr weit voraus waren. Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte die Produktion mit Frau Fesca wieder aufgenommen werden und Waechtersbach entwickelte sich zum größten Keramikhersteller Deutschlands. Im Keramikmuseum in Streitberg läuft gerade eine Ausstellung zum Schaffen von Frau Fesca.

Die architektonisch und wirtschaftlich höchst bedeutende Fabrikanlage in Schlierbach wird durch englische Landhausarchitektur und frühindustrielle Hallen mit Flugbetongewölben geprägt. Damit korrespondiert ein Ortsbild in Schlierbach, das architektonisch die gesellschaftlichen Umwälzungen der Industrialisierung hochverdichtet abbildet. „Dieses einmalige historische Erbe unserer Heimat müssen wir erhalten. Hierfür werde ich mich gerne einsetzen“, verspricht Pierre Kurth, der auch Mitglied im Ortsbeirat von Streitberg ist.

Im Jahr 2005 wurde die Fabrik nach 173 Jahren in Familienbesitz an die BEFI GmbH verkauft. Nach deren Insolvenz in 2011 wurde das Unternehmen an Turpin Rosenthal verkauft, der es in mehrere Einzelfirmen aufspaltete um es lebensfähig zu halten, wenn auch um den Preis der Produktionsaufgabe in Schlierbach. Heute gehört das Unternehmen zur Könitz Porzellan GmbH (Thüringen) und wird dort nach alter handwerklicher Tradition weitergeführt. Die dort gebrannten   Waechtersbach-Produkte kann man im Werksverkauf in Brachttal erwerben.

Nicht nur die Produktion gehört zum Geschäftskonzept der Waechtersbacher Keramik, sondern auch das Ausrichten von Geburtstagen und Events sind auf dem Werksgelände möglich.

„Während unserer Führung durch den Werksverkauf, habe ich neben traditionellen auch viele moderne Keramikartikel in frischen Farben bewundern dürfen. Die Bemühungen der Mitarbeitenden mit bestmöglicher Flexibilität die Wünsche jedes einzelnen Kunden zu realisieren, haben mich sehr beeindruckt“, so Pierre Kurth. „Die Waechtersbacher Keramik ist noch immer eine echte Bereicherung für unsere Region. Dies sollten bereits die Schulen durch Ausflüge nach Schlierbach fördern, Frau Tiemann steht hierfür gerne bereit“, so Kurth.